3, 2, 1.

Drei Sauen, zwei Jäger, ein Abend.

Schon lange hatte ich mich darauf gefreut bei Johann auf Sauen zu waidwerken. Seit Monaten gab er mir telefonisch und per WhatsApp Tipps zur Bejagung von Schwarzwild. Vieles konnte ich tatsächlich umsetzen und ab und an brachten mir seine Empfehlungen auch Waidmansheil. Umso mehr freute ich mich, als wir im November 2017 endlich einen Termin gefunden hatten, an dem wir im Revier seines Vaters jagen würden. Zwei Abendansitze waren geplant und er schien sich seiner Sache absolut sicher zu sein: ich würde nicht ohne Sau nach Hause fahren. Ich war zwar zuversichtlich, aber Jagd ist Jagd und meist klappt es nicht, wenn man sich zu sicher ist. Außerdem war es mir bei der Ankunft auch schon recht egal, Hauptsache wir würden eine coole Zeit zusammen verbringen, und ich würde vielleicht das Eine oder Andere über das Revier und die Art wie dort gejagt wird, erfahren.

Nachdem die passionierte und sehr freundliche Deutsch-Kurzhaar-Hündin mich und meine freche Parson-Flitze begrüßt und ich meine Reisetasche in das Gästezimmer geworfen hatte, setzten wir uns im Wohnzimmer an den Kamin. Johann holte eine Revierkarte raus und erklärte mir Einiges zur Geschichte des Reviers. Das machte noch viel mehr Lust jagen zu gehen. Wir packten also unsere sieben Sachen und los ging´s mit dem Quad ins Revier. Waffe auf den Rücken geschnallt und ab ging die Post!

Frische Luft im Gesicht, den selbstsicheren Sound des Motors im Ohr und einen Fahrer vor mir, der zielsicher Richtung Sauen-Waidmannsheil unterwegs schien. Top, läuft.

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Nach kurzer Strecke bog Johann in einen matschigen Weg ab und stellte den Motor aus. Er erklärte, dass sich der Sitz auf einem Maisacker an der Waldkante etwa 100 Meter den Weg hoch befände. Aufgeregt wie ich war, fiel mir erst einmal eine Patrone laut klirrend auf den Boden. Ich hätte mich selbst ohrfeigen können. „Na gut, dann ist jetzt erst einmal alles Wild weg, dann unterhalten wir uns halt erstmal auf der Kanzel“, dachte ich mir.

Nacheinander sind wir die Kanzel hoch, nahmen beide Platz und öffneten zwei Fenster. Dasjenige nach vorne raus und das nach links. Ich saß links und hätte also bestens aus beiden Fenstern schießen können. Sowieso war das eine Top- Kanzel, mit einer perfekten Auflage für die Waffe. Während Johann noch irgendwelche Sachen ausräumte oder seine eigene Waffe passend einrichtete (ich weiß es gar nicht genau), richtete ich meine Waffe nach links aus und überprüfte die Sicht durchs Glas. Jo, passt alles. Noch einmal die Vergrößerung richtig einstellen… Huch! Was bewegt sich denn da etwa ein Meter hinter der Waldkante im Wald?! „Da ist ne Sau!“ sagte ich trocken weil gar nicht richtig realisierend. Mit einem zu Recht ungläubigen Ton fragte Johann nach, denn es war noch nicht einmal 17 Uhr. „Glaubs mir, da steht ne Sau“. Als er durch die Wärmebild schaute, zog das Stück Schwarzwild – als Keiler angesprochen – bereits im Wald an der Kante entlang nach rechts. In beinahe flehendem Ton sagte er: „Bitte mach schnell!“, während ich gerade meine Waffe vom linken Fenster nach vorne raus verlagerte. Alles passend gestellt, hofften wir, dass die Sau auf den Maisacker rausziehen würde. In den Sekunden der Hochspannung, bat Johann plötzlich, mit durchaus ernstem Ton: „Wenn du gleich schießt: die Sau muss liegen! Die Kante ist die Grenze! Ne Nachsuche da ist gar nicht lustig…“ Wenn ich also vorher durchaus Jagdfieber hatte, so schoss mir in diesem Moment nochmal ein ordentlicher Schwung Adrenalin durch alle Gliedmaßen. Gerade wollte ich über die Bedeutung dieser Ansage nachdenken, da zog die Sau raus. Zunächst geradewegs auf uns zu. Ich spürte wie Johann neben mir exakt genau auf dieselbe Bewegung der Sau wartete wie ich. Einmal abdrehen und breit stellen… Eine gefühlte Ewigkeit stand die Sau spitz vor uns. Und zack, nach links abgedreht, breit: BUM. Ich hielt mitten auf´s Blatt und hoffte das Beste. Vor allem weil – seitdem ich die Munition gewechselt hatte – alle Sauen noch einige Meter machten. Auch mit Blattschüssen. Aber die Sau lag im Knall, schlegelte und verendete. Johann hatte schon längst ein beinahe fassungsloses „Waidmannsheil“ verkündet, als ich mich endlich traute aus dem Anschlag zu gehen und die Waffe zu entspannen. Unfassbar! Da saß ich also keine drei Minuten auf dem Hochsitz, kommt hier bereits ein Keiler. Was ein Kracher. Wir konnten es beide kaum glauben. Johann war sich seiner Sache schon sehr sicher, denke ich. Aber damit hatte auch er nicht gerechnet.

Er rief seinen Papa an und ich konnte – ohne dass das Telefon auf Lautsprecher gestellt gewesen wäre – hören wie ungläubig und hocherfreut sein Vater nachfragte und es ebenfalls kaum Glauben konnte. Johann reichte mir das Telefon weiter und seine Freude kam mir regelrecht durchs Telefon. Total schön.

In Anbetracht der Tatsache, dass noch nicht einmal 17:30 war, versuchten wir uns nun also etwas zu beruhigen und wieder richtig leise zu sein. Die nächste Sau sollte Johann erlegen. Er hatte seine Doppelbüchse dabei.

Wir erzählten uns also flüsternd so einige Geschichten von der Jagd und vom Leben als wir beide plötzlich zusammenzuckten und zur Wärmebildkamera griffen. Sofort als ich die vielen hell erleuchteten Sauen sah, vermeldete Johann: „Ich schieße jetzt ne Sau, ok? Ohrschützer drauf?“ Ich zog mir die Ohrschützer runter und flüsterte „ok“, während ich durch die Kamera sah. In dem Moment als ich wusste, welchen Frischling aus der Rotte ich beschießen würde, fiel der Schuss. Die ganze Rotte flüchtete nach links, sodass ich das Fenster wechseln musste, um die Sauen weiter beobachten zu können. BUM, da fiel noch ein Schuss. Da ich genau in dem Moment nichts sehen konnte, dachte ich „oh Mist, er musste wohl nachschießen, da ist beim ersten Schuss was schief gegangen“. Ich schaute durch die Kamera als Johann genau in dem Moment meinte: „Und? Da müssten zwei liegen!“ Tatsache! Er hatte gerade mit seiner Doppelbüchse zwei Frischlinge erlegt!

Ich glaube ich brauche nicht erklären, was dann auf unserer Kanzel los war. Unfassbar war das! Johann hatte gerade seine erste „richtige“ Doublette geschossen. Zwei Frischlinge aus einer Rotte mit seiner Doppelbüchse. Was ein Abend! Wirklich unglaublich…

So hatten wir also zu zweit an einem Abend innerhalb von etwa drei Stunden drei Sauen erlegt. Ich denke dieser Ansitz geht in unsere „Geschichte“ ein. Ich freue mich jedenfalls nicht nur über meinen Überläuferkeiler (54 kg), sondern auch, dass ich dabei sein durfte als er seine erste Doublette geschossen hat.

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Danke dir Johann und danke an Johann´s Papa, dass ich bei euch jagen durfte!

 

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Übrigens: Aus meinem Keiler wurden Bratwürste und Knacker gemacht. Als Johann letztens zu Besuch war, bestätigte er den tollen Geschmack der Bratwürste 🙂

 


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