Wie alles begann…

Bereits mehrfach habe ich über meine lieben Jagdfreunde geschrieben. Mal, wenn ein Einzelner von ihnen bei einem bestimmten Jagderlebnis dabei war, mal wenn wir uns alle zum gemeinsamen Jagen zusammengefunden haben („Wenn die Jagd zu Tränen rührt). Aber auch in Stories in denen ich beschrieben habe wie ich in Schwierigkeiten war und meine Freunde für mich da waren („Der Bock für meine Freunde“ und „Nächte die zu Morgenstunden werden und die Freund die zur Familie werden“). Da ist es doch jetzt mehr als Zeit einmal den Beginn dieser Freundschaft zu beschreiben.

Ich hatte gerade ein paar Monate meinen Jagdschein und war freudig dabei das Tontaubenschiessen zu üben, als ich von einem – damals vom Schiessen bekannten Schützen – zu dessen Treibjagd eingeladen wurde. Obwohl ich noch nie auf einer Treibjagd auf Niederwild gewesen bin, sagte ich natürlich sofort zu. Auch wenn ich ordentlich nervös und unsicher war, so freute ich mich sehr auf diesen Tag. Dass die Leute, die dort sein würden, wohl etwas verrückt sind, erahnte ich bereits Wochen zuvor, da wir uns alle in einer Whatsapp – Gruppe austauschten.

Am Tag der Tage kreuzte ich also – komplett grün hinter den Ohren – mit meiner Flinte beim Treffpunkt auf. Nach der Begrüssung und Bekanntmachung der Freigabe gings sofort los. Völlig plan- und ahnungslos klemmte ich mich an einen erfahrenen Jäger, der mir lachend zu verstehen gab, was in welcher Situation zu tun wäre.

Beim ersten Treiben stand ich also mit meiner Flinte staunend in der Schützenreihe und begriff allmählich das Vorgehen.

Das dritte Treiben werden ich wohl in diesem Leben nicht mehr vergessen: Unter den Augen von etwa 20 Mann – von denen später einige zu meinem engsten Freundeskreis wurden – richtete ich meine Flinte auf einen Hasen. Mir schoss bloss durch den Kopf: „Das darfst du jetzt nicht vermasseln. Nicht wenn 20 Kerle zugucken!“ und schoss. Der Hase rollierte und verendete sofort. Völlig perplex stand ich da, öffnete meine Flinte und wollte gerade begreifen, dass ich soeben meinen ersten Hasen erlegt hatte, da rief einer „Hase, Hase!“, ich schaute hoch und sah einen weiteren Hasen direkt auf mich zu kommen. Ich steckte eine neue Patrone in den unteren Lauf, schloss die Waffe, legte an und: schoss meinen zweiten Hasen! Völlig ungläubig starrte ich auf den zweiten Hasen, der sofort verendet war. Man mag es kaum glauben, aber da kam dann tatsächlich direkt im Anschluss noch ein dritter Hase! Ich sah, dass er wahrscheinlich in Richtung meines Nachbarschützen abdrehten würde und rief ihm lachend zu: „Ich kann nicht mehr, schiess du!“ und er erlegte diesen Hasen.

Ich brauche wohl nicht extra erwähnen, wie sehr wir alle gelacht hatten. Das Lachen wurde auch nicht weniger, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ich noch nie auf einer Treibjagd gewesen war und auch noch kein Niederwild erlegt hatte. Groß war dann auch die Vorfreude aller Beteiligten – meine hielt sich etwas unsicher in Grenzen – auf den Abend. Da sollte ich zum Niederwildjäger geschlagen werden.

Hätte ich da schon gewusst mit wem ich es zu tun habe, hätte ich mich noch mehr darauf gefreut. Ich bin überzeugt: besser kann es einen nicht treffen, als von diesen Jungs zum Jäger bzw. zur Jägerin geschlagen zu werden. Mit wirklich witzigen und einfallsreichen Fragen, zu denen es natürlich keine richtige Antworten gab, wurde ich einige Zeit gelöchert, zusammen mit drei weiteren Schützen, die ebenfalls noch nie auf Niederwild gejagt hatten. Es war wirklich ein toller Abend, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Vor allem aber deshalb, weil es der Beginn unheimlich schöner und wertvoller Freundschaften war. Wie ich es bereits in einem anderen Bericht geschrieben habe: es sind Freunde, die zur Familie geworden sind. Menschen, auf die ich jederzeit zählen kann. Menschen, die oft ohne Worte verstehen, was bestimmte Dinge bedeuten.

Manches bedeutet alles.

 


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