Schwarzwildjagd im Weizen

Viel hatte ich bisher gehört, gelesen oder mir in Jagdvideos über die Schwarzwildjagd im Weizen angesehen. Auch im Seminar bei Max Götzfried letztes Jahr hatte ich viel darüber gelernt und konnte dabei sein, wie Max zwei Stücke Schwarzwild erlegte. Was waren das spannende erste Erfahrungen! Nun sollte ich selbst die Chance bekommen, Sauen im Weizen zu bejagen.

Die Milchreife hatte gerade begonnen, als ich das Revier, welches vier Autostunden von meinem Wohnort entfernt liegt, erreichte. Sofort ging ich los, um zu fährten und herauszufinden, wo das Schwarzwild aktiv ist.

Da die Kirrung im Raps die vergangenen Tage angenommen war, beschloss ich, mich zunächst dort anzusetzen. Tatsächlich hörte ich schon bald das Knacken und „Grunzen“, welches die Ankunft von Sauen eindeutig ankündigte. Leider blieben die Stücke zunächst im Raps, und als sie – vermutlich Überläufer – das kurze Stück Wiese überquerten, wo ich einen Schuss hätte antragen können, brauchte ich zu lange für die sichere Ansprache. Denn zuvor, als die beiden noch nur durch kleinere helle Flecken durch die Wärmebildkamera im Raps sichtbar waren, hatte ich den Eindruck, da seien Frischlinge dabei. Bis ich dann die Bauchlinie klar erkennen konnte, waren beide schon auf der anderen Seite im Bruch verschwunden.

Aber der Blick auf den gegenüberliegenden Weizen spornte mich an: Mindestens sieben Stück Schwarzwild. Vielleicht wären da passende Frischlinge dabei?

Also baumte ich ab, fuhr ein Stück mit dem Auto aussen rum, damit ich den Wind passend hatte und pirschte mich in einer Fahrspur, die ich für die richtige hielt an. Tatsächlich stand ich einige Minuten später einem Stück Schwarzwild direkt gegenüber: die Sau befand sich in der nächsten Fahrspur, etwa sieben Meter entfernt. Leider war es unmöglich anzusprechen. Ich konte zwar keine anderen Stücke hören, aber ich konnte die Bauchlinie eben leider auch nie sehen. Da es sich sicher um ein größeres Stück handelte, liess ich nach etwa einer halben Stunde ab und pirschte die Fahrspur weiter hoch, in der Hoffnung, vielleicht noch mehr entdecken zu können.

So sollte es auch kommen: etwa 400 Meter weit entfernt, spottete ich zwei Stücke, die relativ weit auseinanderstanden. Ich pirschte mich an und als ich auf etwa 70 Meter Entfernung war, befand sich die Sau aber mitten im Weizen und zog in eine Richtung für die ich in der falschen Fahrspur stand. Also bin ich wieder ein ganzes Stück zurück, durch den Weizen in die andere Fahrspur und wieder ran gepirscht. Angekommen und: wieder falsche Spur. Dieses Spielchen spielten wir etwa drei, vier Mal. Dann schaute ich mich um und sah einen Drückjagdbock in etwa 100 Meter Entfernung, direkt am Bruch. „Da muss ich daruf, vielleicht kann ich dann von oben ansprechen“, dachte ich. Am Bock angekommen, stellte ich fest, dass hier wohl seit mindestens fünf Jahren keiner mehr drauf gewesen sein dürfte, jedenfalls standen die Brenesseln etwa doppelt so hoch wie ich selbst. Egal, ich kämpfte mich da hoch, möglichst leise natürlich. Währendessen hörte ich die ganze Zeit das Schwarzwild im Bruch. Da drin muss ordentlich Wasser sein, jedenfalls hörten sich das Ganze so an, als hätten die Sauen eine Beachparty, bei der jeder Mal eine „Arschbombe“ ins Wasser macht, gefeiert. Ganz aufgeregt kam ich oben an und das Stück stand tatsächlich nun auf etwa 50 Meter Entfernung im Weizen. Leider auch von hier oben unmöglich die Bauchlinie zu sehen. Plötzlich warf die Sau auf, äugte in die andere Richtung und flüchtete in den Bruch. Aber das war´s noch nicht: Etwa 10 Minuten später kehrte sie in ähnlichem Tempo wie sie den Weizen verlassen hatte, an genau dieselbe Stelle zurück. Ich konnte absolut nichts sehen oder hören, was darauf hingedeutet hätte, dass das Stück Frischlinge dabei hatte. Aber die Bauchlinie konnte ich eben auch nie sehen. Nach etwa einer Stunde beobachten, baumte ich ab. Zwar fand ich es schade, dass ich nichts erlegen konnte, ich war aber mehr als Zufrieden mit dem Jagderlebnis. Auch im Nachhinein bin ich mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Am nächsten Tag spielte eine Bache mit mir Katz und Maus: Ich vermutete die Sauen im vor mir liegenden Schilf. Zwischen Schilf und meinem Hochsitz war eine Wiese, hinter mir Mais. Hinter dem Mais befand sich der Weizen.

 

Plötzlich vernahm ich etwas sehr leise im Mais hinter mir. Ich vermutete zunächst einen Fuchs, dann aber sah ich eine Bache mit passenden Frischlingen in den Weizen ziehen. Ich konnte mir zunächst überhaupt nicht erklären, wo die denn plötzlich hergekommen sind. Ich schaute mich um und vermutete, dass die Rotte viel weiter unten aus dem Schilf gekommen war und ohne, dass ich sie hätte sehen können über die Wiese zog. Dann den Mais entlang bis fast zu mir. Ich überlegte ob ich direkt hinterher sollte. Da es aber noch sehr früh war, beschloss ich abzuwarten, ob noch mehr Sauen kämen.

Tatsächlich erblickte ich schon kurze Zeit später erneut eine Bache mit Frischlingen weiter unten auf der Wiese. Damit mir nun nicht dasselbe passiert, baumte ich sofort ab und positionierte mich im Mais, der etwa kniehoch war. „In dieser Position passt der Wind und ich habe jede Menge Zeit für die Ansprache und einen sicheren Schuss wenn die Rotte über den Mais kommt“, dachte ich. So wartete ich mit einem Puls von vermutlich 180 Schläge pro Minute ab. Nichts rührte sich. Einige Minuten später konnte ich durch die Wärmbildkamera sehen, dass die Rotte genau auf der Wiese vor dem Hochsitz war. Wäre ich sitzen geblieben hätte ich ein Stück erlegen können. Nachdem die Rotte sicherlich eine halbe Stunde lang nicht den Anschein machte über den Mais Richtung Weizen zu wollen, versuchte ich mich durch den Mais zur Wiese anzupirschen. Man wird es ahnen: auf den letzten Metern hat die Bache von meinem Vorhaben mitbekommen und zog sich mit ihren Frischlingen in das Schilf zurück. Ich beschloss, mich auf der Wiese hinzusetzen und zu warten. Ich war sicher, das wäre jetzt nur eine Geduldfrage, die käme bestimmt wieder raus. So war es dann auch. Zunächst checkte die Bache die Lage und nachdem sie offenbar sicher war, dass die Luft rein ist, holte sie die Kleinen dazu. Dies aber an einer Stelle wo ich nicht hinschiessen konnte, etwa 160 Meter weiter die Wiese runter. Und nun kam es genauso, wie ich es doch vorhin erwartet hatte: Die Rotte zog sofort über den Mais Richtung Weizen. Zack, weg waren sie. Da wurde ich wohl überlistet.

„Nun gut, dann jetzt aber hinterher“, dachte ich. Ich konnte sehen, wo die Bache steht und pirschte die Fahrspur herunter. Ich stand genau passend, sodass ich einen Frischling hätte erlegen können wenn er die Spur überquert. Mit etwas mehr Erfahrung hätte es vermutlich auch geklappt. Der Frischling kam aber etwas weiter unten über die Spur und ich war nicht schnell genug mit dem Zielstock nachzujustieren. Nun musste ich also wieder zurück, eine Fahrspur weiter und dort auf eine neue Chance hoffen. Dort vermutete ich aber, dass ich mich auf der Reviergrenze und die Sauen im Nachbarrevier befänden. Ich hoffte noch einige Minuten, dass die Sauen einen Richtungswechsel vornehmen würden, das taten sie aber nicht. Mir fiel keine Alternative dazu ein, als im Handy nachzusehen, wo genau die Grenze ist. Dies bekam die Bache dann aber mit und blies. Ich erstarrte zur Salzsäule und wartete ab. Die Bache versuchte Wind zu bekommen, weil das nicht klappte, umschlug sie mich um etwa 180 Grad. Herrschaftszeiten, war das aufregend! Plötzlich begann sie damit, jeweils blasend einige Schritte frontal auf mich zuzukommen und dann wieder innezuhalten. Das ganze etwa vier Mal. Da rutschte mir dann aber definitiv das Herz in die Hose. Spätestens als sie etwa fünf Meter vor mir stand.

Dann blies sie nocheinmal und flüchtete mit ihren Frischlingen etwa 400 Meter weiter den Weizen hinunter. Kurz zog ich in Betracht es nochmal zu versuchen, da sie da ja immer noch standen. Ich fand aber, dass das für eine Nacht im Weizen erstmal reichen würde. Geflasht von diesem Erlebnis fiel ich später in den Schlaf. Von Schwarzwild im Weizen habe ich seither einige Male geträumt. Ich hoffe, dass sich die Träume bald in die Realtität umsetzen lassen, denn die Träume endeten meist mit einer Erlegung.

 


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