Die ersten Schwarzkittel

Ich hatte gerade meinen Jagdschein frisch gedruckt in die Hand bekommen, durfte ich eine Stunde später direkt mit zwei Freunden nach Hessen ins Revier mitfahren. Ich liebte die Holzhütte ohne Strom und ohne Wasser in der wir übernachtet haben. Da war ich auch das erste Mal dabei, als ein Wildschwein auf der Pirsch erlegt wurde.

Einige Wochen später erlebte ich mit, wie ein Jagdfreund an der Kirrung ein Schwein erlegen konnte. Dies sollte kurze Zeit später auch der Hochsitz sein, auf dem ich meinen ersten Borstenträger erlegen würde.

Diese ersten Male, an denen ich das Rumpeln und Rascheln der herannahmenden Wildschwein vernommen habe, lösten ein Gefühl aus, dem ich in Zukunft immer wieder auf´s Neue hinterher sein würde. Es ist das pure Jagdfieber. Die Sinne sind geschärft, jedes noch so leise Geräusch wird wahrgenommen, jede kleinste Bewegung ausserhalb des Hochsitzes wird registriert. Bis sich die Geräuschkulisse allmählich so ausgestaltet, dass man sich sicher ist: sie kommen! Adrenalin durchströmt den Körper, er ist plötzlich maximal leistungsbereit. Herzschlag und Blutdruck steigt und ich bin bereit.

Besser hätte es für die Erlegung des ersten Wildschweins nicht laufen können: ich konnte bei Vollmond auf 22 Meter Entfernung einen sicheren Schuss antragen. Wir beide hatten gesehen wie das Stück gezeichnet hat, nach kurzer Fluchtdistanz hörten wir es auch zusammenbrechen. Da es jedoch etwa 20 Meter in den Bestand ging und das auch noch bergauf, dauerte es einige Minuten bis wir das Schwein gefunden hatten. Ohne Wärmebildkamera hätten wir vermutlich einen Hund holen müssen. Ich war heilfroh, dass ich mich in meinem Schuss nicht getäuscht hatte.

Etwa eine Woche später bekam ich das Wildbret. Diesen Tag werde ich nie wieder vergessen. Dieses wunderbare Gefühl, nun so viel Fleisch zu haben, dass ich mich selbst davon monatelang ernähren könnte. Und dann auch noch ein Nahrungsmittel von bester Qualität. Diese Dankbarkeit begleitet mich seitdem.

 


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