Das erste „Pirschschwein“

Ein guter Freund und ich waren zu einem Abendansitz in ein Revier eingeladen. Zwar war dort mit Schweinen zu rechnen, dass es aber so laufen würde hätten wir beide nicht gedacht:

Wir setzten uns beide – etwa 500 Meter voneinander entfernt – an einer Feldkante an. Das Feld zog sich wie einen Schlauch vor uns nach rechts und links weiter. Gegenüber – am Ende des Feldes – war die Reviergrenze.

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Bereits während des Ansitzes hatte Thomas eine Rotte Sauen vor, welche von rechts nach links zog, jedoch auf etwa 180 Meter, sodass er keinen sicheren Schuss anbringen konnte. Ich konnte zwar durch die Wärmebildkamera an der Grenze zum Nachbarn einige Stücke Rehwild ausmachen, Schweine hatte ich jedoch nicht im Anblick.

So beschlossen wir zu pirschen. Thomas holte mich zunächst mit dem Auto ab und wir fuhren den Feldweg entlang, um den Wagen weiter weg zu parken. Bereits während der Fahrt machten wir eine Rotte Sauen auf, welche in etwa zehn Meter Entfernung abging. Leider hatten wir sie nicht früher gesehen, weil sie hinter einer Hecken standen.

Wir stellten also den Wagen ab und pirschten zunächst einen Feldweg entlang. Plötzlich vernahmen wir beide ein Stück Wild im Bestand, blieben stehen, horchten und schauten durch die Wärmebildkamera. Uns beiden stockte wohl gleichzeitig der Atem: Eine einzelne Sau zog von links aus dem Bestand und überquerte den Weg: Keine acht Meter vor uns! Zwar hätten wir Zeit genug gehabt einen Schuss anzubringen, jedoch waren wir uns beide nicht sicher genug, ob es sich wirklich um ein männliches Stück handelte. Daher verzichteten wir beide.

Wir pirschten weiter und betraten dann den Feldschlauch. Im Nachbarrevier konnten wir drei Rotten sehen, jeweils Bachen mit Frischlingen. Während wir weiterpirschten, in der Hoffnung weiter unten noch auf passende Stücke zu treffen, drehten wir uns plötzlich beide abrupt um. Denn: ein Trupp von vier Überläuferkeilern drohte uns fast über den Haufen zu rennen. In einer Entfernung von vielleicht 15 Metern zogen sie aus der Richtung unseren Reviers über das Feld Richtung Nachbarrevier. Thomas stellte mir den Pirschstock auf, ich legte die Waffe auf und war fertig, doch die Schweine drohten gerade die Grenze zu passieren. Dusel muss man haben: Der Wind stand so, dass die Rotte dort aber Wind von uns bekommen haben muss und wieder umdrehte. Ich justierte den Pirschstock nach und als die Rotte etwa 30 Meter vor dem Bestand war, pfiff Thomas einmal. Alle Stücke verhofften und ich konnte einen der vier gleich großen Überläuferkeilern mit einem sauberen Schuss erlegen. Die anderen drei blieben noch eine ganze Weile irritiert auf dem Feld stehen, sodass wir kurz überlegten, ob Thomas noch ein weiteres Stück erlegen sollte. Das fanden wir dann aber –  zu Gast in einem Revier – doch etwas „too much“, da wir auch nicht direkt bei der ersten Jagd mit Waidmannsheil gerechnet hatten.

So versorgten wir das Stück und luden es – nach Rücksprache mit dem Jagdausübungsberechtigten – ins Auto ein. Da wir etwas „zurückhaltend“ erscheinen wollten, hatten wir nämlich den Heckträger nicht mitgenommen. So musste mein lieber Audi mal wieder die Rückbank herhalten.

 

Den ganzen nächsten Tag war ich noch total „geflasht“ von diesem Jagderlebnis. Ich bin sicher, dass die Leidenschaft, auf Wildschwein zu jagen – insbesondere auf der Pirsch – niemals mehr aufhören wird.


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