6 Tage im Himmel

Bevor ich hier in die Tasten haue, habe ich gerade nochmal überlegt, ob der Einleitungssatz, den ich gerade formulieren wollte, wirklich stimmt. Aber ja, es ist so: Ich habe die beste Woche meines Lebens erlebt.

Zurück aus Namibia bin ich noch immer geflasht von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen, die ich dort getroffen habe. Verträumt, wenn ich an die Weite der Landschaft denke. Seelig, wenn ich an die wunderbaren Zimmer der Lodge denke, von der aus man nach dem Aufwachen aus dem Bett heraus Wildtiere, wie Springböcke, Gnus, Warzenschweine etc. in einer Entfernung zwischen 100 und 400 Metern sehen kann.

Nachdem wir am Flughafen in Windhoek meine Waffe abgefertigt hatten, wurden wir von Brandon und Naomi, sowie einem halben Pickup voller Mitarbeiter des Camps abgeholt. Bereits bei der Begrüßung gab es eine herzliche Umarmung und auf der Fahrt zur Lodge, gab es bereits Oryxantilope, Wasserbock, Warzenschwein und Steinbock zu sehen. Das ließ ja auf eine gute Jagdzeit hoffen!

Als der Pickup in der Einfahrt zum Stehen kam, ertönte bereits der Willkommens-Gesang der Crew vom Camp. Ein toller Moment, denn uns kam das nicht so vor wie ein „Touri-Singsang“, sondern sehr authentisch: diese Menschen freuten sich ehrlich darüber, dass wir die nächsten Tage bei ihnen verbringen würden.

Wir genossen erstmal ein Kaltgetränk auf der Terrasse, von der aus wir das Wild beobachten konnten.

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Als mir dann mein Zimmer gezeigt wurde, fragte Trudi, ob alles okay sei, vermutlich weil ich so still war. Ich erklärte, dass ich einfach sprachlos sei, ob der Schönheit und Atmosphäre dieses Ortes. Als sie mich dann gerührt in den Arm nahm, hatte ich bereits das erste Mal Pippi in den Augen. Es war wie „nach Hause kommen“.

(Ich habe von der Lodge leider gar nicht so viele Bilder gemacht. Aber auf der Homepage http://www.otjere.com sind viele Bilder von den Zimmern, der Terrasse, Rezeption, Bar und Essbereich etc.)

Mein Jagdfreund und ich fragten uns dann wie es wohl gleich weiter gehen würde. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir aber eins noch nicht: Es geht immer genau so weiter, wie wir es uns wünschen. Motto: kein Stress, keine Hektik. Auf die Frage, ob etwas Bestimmtes möglich sei, bekamen wir stets dieselbe Antwort: „kein Problem“. Immer wieder wurden wir von Naomi gefragt ob wir alles haben, ob alles gut sei, ob wir uns noch irgendwas wünschten. Wir mussten niemals auf irgendwas warten. Alle waren stets pünktlich und alles lief wie abgesprochen. Es gab lediglich eine „Anweisung“, die jedoch hörten wir oft: „Genieß es!“

Meine erste Frage an Hendrik, einen der beiden Besitzer der Lodge, war, ob ich das Zebra aus meinem Paket gegen eine andere Wildart tauschen könnte (da ich kein Zebra erlegen wollte). Kein Problem, statt Zebra sollte es einfach Springbock sein.

Bei der Jagdbesprechung fragte ich ihn dann auch noch danach, wo auf afrikanisches Wild denn anzuhalten sei bei der Schussabgabe. Freundlich und ausführlich erklärte er mir das ganz genau, auch anhand von Bildern und Videos. Es sei wichtig, afrikanisches Wild tiefer zu treffen als unser heimisches Wild und außerdem sei große Vorsicht geboten, dass man nicht zu weit vorne abkomme. Gerade zum Beispiel Oryxantilopen würden aufgrund der Körperform manchmal sehr täuschen und viele Jäger kämen dann zu weit vorne ab.

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Mit diesen Informationen gewappnet brachen wir dann auf. Aber nicht direkt zur Jagd sondern erstmal zum Schiesstand. Waffe Kontrolle geschossen, gute vier Zentimeter Hochschuss, nun konnte es losgehen. Mit Johnny, dem Jagdführer mit eher weniger guten Englischkenntnissen, dafür aber großartigem Humor und unfassbaren Adleraugen und Pirschfähigkeiten. Und Toni, dem Fahrer, der uns so manches Mal vor dem Vertrocknen und Verdursten nach einer langen, anstrengenden Pirsch in der Nachmittagshitze rettete.

Bereits nach kurzer Zeit konnten wir uns das erste Mal an Warzenschweine heranpirschen. Leider war aber kein alter Keiler dabei. Später dann führte und Johny dann sogar auf Herde Oryxantilopen. Wir kamen bis auf etwa 120 Meter heran. Da aber Gräser und Sträucher vor dem Bullen waren, wollte ich nicht schießen. Da es zu diesem Zeitpunkt auch bereits am Eindunkeln war, erklärte ich Johny: „no problem, lets go home and drink a beer!“. Daraufhin musste er derart lachen, dass alles absprang und als wir einige Minuten später zurück bei Toni am Wagen waren, hatte er sich vor Lachen noch immer nicht eingekriegt. Bis zuletzt war das dann ein Running-Gag.

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Mit dem Gefühl, dass wir hier eine sensationelle Jagd erleben würden, sank ich nach dem Bier, welches ich dann an der Bar natürlich bekommen hatte, voller Vorfreude ins Bett.

Am nächsten Morgen erwachte ich etwa zehn Minuten bevor der Wecker klingeln sollte. Ich hörte nämlich ein Grunzen! Da waren Warzenschweine direkt an meinem Zimmer! Leider konnte ich die Tür nicht geräuschlos öffnen, sodass ich sie leider vergrämt und nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Aber kann man am ersten Morgen in Namibia bitte besser Aufwachen als vom Grunzen von Schweinen?!

So verheißungsvoll wie ich aufgewacht bin, so sollte auch der Jagdtag werden. Zur ersten Abfahrt lernten wir dann auch den Otjere-Move kennen: alle Anwesenden halten ihre Arme auf Brusthöhe und mit den Fingerspitzen nach oben zeigend. Immer wenn man sich besonders freut, macht man hier diesen Move. Klar, dass dies für besonders gute Stimmung sorgt und noch mehr Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt.

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Ohnehin habe ich in der ganzen Zeit den Eindruck gehabt, dass sich hier alle gegenseitig unterstützen.

Auf der Jagd durch schwieriges Gelände oder später nach dem Schuss. Ich habe immer sehr gerne beim Aufbrechen und Bergen mitangepackt und hatte immer den Eindruck, dass meine Hilfe gerne angenommen wird. Aber ich bin auch sicher, dass es kein Problem wäre, wenn jemand nicht mithelfen wollen würde.

Abends beim Essen saß immer die ganze Mannschaft am Tisch. Trudi und Hendrik, die Leute aus der Küche, die Jagdführer, die Gäste. Sprachlich manchmal ein Kuddelmuddel mit vielen Gesten, aber umso mehr bereichernd.

Wenn wir nach einer erfolgreichen Pirsch ein Stück erlegen konnten, so freuten sich immer alle wahnsinnig. Manchmal hat mein Jagdführer vor Freude über den Erfolg getanzt, jedesmal hat er mich fest umarmt wenn es geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten.

An dem Abend, an dem ich mit dem erlegten abnormen Oryx nach Hause kam, eilte Hendrik zum Pickup und schrie vor Begeisterung! Alle, die die laute Freude hören konnten kamen herbei und staunten über das erlegte Stück. Ich hatte so viele Hände zu schütteln und wurde umarmt als hätte ich eine Heldentat vollbracht. Dann ging es zur Bar, wo ich sofort ein Kaltgetränk gereicht bekam. Nachdem alle etwas Trinkbares in der Hand hielten wurde in unterschiedlichen Sprachen der Jagderfolg besungen. Von „Horrido“ über ein Lied in für mich unaussprechlichem Africaans, wurde das Oryx gefeiert. Während ein Lied nach dem anderen angestimmt wurde, merkte ich plötzlich wie mir die Tränen vor Rührung und Freude in die Augen stiegen. Als dies nicht unbemerkt blieb und die Freude über meine Freude bei den anderen noch größer wurde, so kullerten dann tatsächlich ein paar Tränen. Ich konnte es in diesem Moment kaum fassen, dass ich an einen so wunderbaren Ort mit so herzlichen Menschen gekommen bin.

Die Details zur Jagd auf das Oryx, gebe ich in einem gesonderten Bericht wieder. Genauso wie die Erlebnisse bei der Jagd auf Hartebeest (https://triggerdiary.com/2018/05/28/mein-erstes-afrikanische-stueck-wild-hartebeest/), das Weissschwanz-Gnu (https://triggerdiary.com/2018/06/15/ein-70-prozent-gnu/), den Warzenschweinkeilern (https://triggerdiary.com/2018/05/25/namibia-mein-erstes-mal/) und den Springböcken (https://triggerdiary.com/2018/05/31/belohnung-doublette-mit-honig/). Allesamt unglaublich spannende Jagden. Nichts war umsonst, jedes Stück Wild musste bzw. durfte hart erkämpft werden. Im Durchschnitt sind wir etwa ein Drittel der Fußpirsch in geduckter Haltung gegangen, ein Drittel galt es im „Frosch-Schritt“ zu bestreiten und ein Drittel auf allen Vieren oder Robbend. Über piksendes Gras, manchmal auch unter Dornenbäumen her, die bereits die eine oder andere Dorne verloren hatten. Schwitzend und keuchend retteten wir uns oft hinter den letzten Busch, von wo aus eventuell ein Schuss angetragen werden konnte. Wenn nach einer anstrengenden und aufregenden Pirsch das ausgewählte Stück liegt, dann könnte der Lohn nicht größer sein.

Für mich sind alle Wünsche in Erfüllung gegangen. Es gab einfach rein gar nichts, was nicht optimal war. Die hohe Wilddichte erlaubte es eben auch – selbst nach mehreren hundert Metern auf allen Vieren – auf einen Schuss ganz entspannt zu verzichten wenn etwas nicht gepasst hat. Denn eine weitere Chance konnte man sich schon bald wieder neu erkämpfen.

Ja es waren wirklich die schönsten sechs Tage meines Lebens. Natürlich möchte ich zurückkehren. Daher fragte ich am Ende der Reise Hendrik, was ich denn am besten als Gastgeschenke mitbringen könnte. Seine Antwort war: „Wenn du wiederkommst, ist das für uns alle das größte Geschenk“. Ja, diese Antwort passt zu diesen Menschen…

Für den interessierten Leser auch hier noch ein paar Zahlen, Daten, Fakten:

http://www.otjere.com

Ein Trophäenpaket kostet 2800 Euro. Darin enthalten sind alle Abschüsse (zwei Oryxantilopen, ein Zebra, ein Warzenschweinkeiler, eine rote Kuhantilope und ein Streifengnu). Es ist auch möglich, dass sich zwei Jäger ein Paket teilen.  Im Paket enthalten ist auch die Abholung und das Hinbringen von und zum Flughafen, ein Doppelzimmer, die komplette Verpflegung (inklusive aller Getränke). Außerdem ist bei der Buchung eines Pakets eine Begleitperson inklusive (beide Personen teilen sich dann ein Doppelzimmer aber Transfer, Verpflegung, Unterkunft ist für die Begleitperson kostenlos).

Ein Selektionspaket kostet ebenfalls 2800 Euro. Darin enthalten sind dieselben Möglichkeiten und Leistungen wie oben beschrieben, aber neun Abschüsse von Selektionswild (fünf Oryx, zwei rote Kuhantilopen, eine Elandantilope und ein Warzenschwein)

Abgesehen von den Paketen kann auch zusätzlich zum Paket oder ohne Paket ganz einfach nach Preisliste gejagt werden. Diese Liste steht natürlich auch auf der Homepage von Otjere Wildlife Safaris (www.otjere.com)

Wer Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden. Wer sogar ebenfalls 6 Tage in den Himmel und buchen möchte, kann mir ebenfalls gerne Bescheid geben. Es ist dann möglich, einen Nachlass von 100 Euro zu bekommen, wenn ihr mir eine E-Mail schreibt und bei der Buchung das Codewort „TriggerDiary“ angebt.

 

 

 

 


Ein Gedanke zu “6 Tage im Himmel

  1. Sie besitzen zum einen eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich zu begeistern, und zum anderen die Gabe, diese Begeisterung auf andere übertragen zu können. Ein lesenswerter Reisebericht!

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