Black Wildebeest

Sehr genau hatte ich zugehört, als mir Hendrik von der Jagd auf Gnus erzählte. Schusshart seien sie. Und ich solle daran denken was er mir über das „perfect shot placement“ gesagt habe. „Schießt du zu hoch: weg. Schießt du ein bisschen zu weit vorne: weg. Schießt du nur einen kleinen Teil in die Lunge: weg“. Weiter erzählte er mir von den zum Teil so schwierigen Nachsuchen. „Viele beschossene Gnus werden nicht gefunden“. Phu… das alles gab mir schon zu denken. Bin ich doch ohnehin etwas zu perfektionistisch veranlagt und mache mir sowieso schon meist zu viele Gedanken über so Einiges…

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So zog ich abends die Bettdecke hoch und prägte mir den Screenshot des „perfect shot placement“ nochmal ganz genau ein. Ich stellte mir vor, wie ich ein Gnu im Zielfernrohr sehe und den Haltepunkt im Vergleich zu unserem heimischen Wild deutlich verändere. Tiefer und mit mehr Tendenz nach hinten. Diesen inneren Film ließ ich laufen bis ich am nächsten Morgen aufwachte. Auch beim Frühstück dachte ich noch ein paar Mal darüber nach und als wir vor dem Geländewagen standen erklärte ich: „Ready for a gnu!“

Da Jagd ja bekanntlich Jagd ist, erlegte ich natürlich erstmal kein Gnu. Sondern einen Warzenschweinkeiler (siehe https://triggerdiary.com/2018/06/04/namibia-mein-erstes-mal/).

Nach der Mittagspause fuhren wir erneut los. Eigentlich war mein Jagdtrieb gerade gestillt, ich war total zufrieden und relaxed. Aber mal gucken, was da draußen so los ist, da hatte ich wohl Lust zu. Wir rumpelten mit dem Wagen also wieder durch die wunderbare namibische Landschaft als es plötzlich wieder energisch hinter mir zischte: „Stop“, grätschte Johny durch meine Entspannung. Und zack, war ich wieder wach und „heiß“. Runter vom Wagen und los geht´s. Auf Nachfrage erklärte mein Jagdführer: „Gnu“!

Sicher noch 600 Meter entfernt hatte er auf einer ziemlich freien Fläche einige dieser faszinierenden Tiere ausgemacht. Und ab dahin!

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Wir pirschten wie immer erst aufrecht, dann geduckt und kriechend heran. Hinter einem Busch schaute Johny durchs Fernglas und deutete, dass ein passender Bulle dabei sei. Ich maß die Distanz mit meinem Leica-Fernglas und schüttelte den Kopf: „350 Meter, no way. We need to get closer!“ Er schaute abwechselnd in Richtung der Gnus und etwas ratlos zu mir. Denn zwischen uns und dem Wild war so gut wie keine Deckung mehr, hinter der wir uns näher hätten anpirschen können. Aber dass das zu weit war, war klar. Er erklärte, dass wir es versuchen könnten, aber dass er recht sicher sei, dass das Wild uns mitkriegen werde. Aber zu verlieren hätten wir ja nichts und eine andere Chance gab es ja auch nicht. Also wieder runter auf den sandigen piksenden Boden und ran da! Wir alle schwitzen und der eine oder andere von uns fluchte auch ab und an leise vor sich hin, wenn wieder mal ein Dorne so nett war, sich in die Hand zu bohren. Wir gaben uns alle Mühe, obwohl wir uns beim Blick nach vorne wohl auch alle wunderten, dass die Gnus nicht absprangen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den einzigen noch existierenden Busch vor den Gnus. In der rettenden Deckung angekommen, verschnaufte ich kurz, rappelte mich auf die Knie und maß erneut die Distanz. 240 Meter. Hm… Ich hatte mir selbst ein Limit gesetzt: Gerne 100 Meter, 150 sind auch okay. Aber maximal 200 sollten es sein. Kurz nachgerechnet. Waffe hat auf 100 Meter etwas über vier Zentimeter Hochschuß. Die Kugel fällt auf 250 Meter etwa 15 Zentimeter. Wie groß ist ein Gnu bzw. das Blatt?… Okay, also wenn da anhalte, wo ich zuhause hin schießen würde, mit Tendenz nach hinten, dann müsste die Kugel genau so viel fallen, wie ich hier tiefer treffen will. Entschluss gefasst: Ich gehe in den Anschlag und sehe wie es sich dann anfühlt. Wenn ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dann… Aber wenn nicht, dann einfach nicht. Rennt ja nix weg. Also eigentlich schon…

Vorsichtig stellte Johny den Stock auf. Die große Entfernung hatte natürlich den Vorteil, dass ich mich halbwegs in Ruhe einrichten konnte, ohne dass uns gleich alles mitbekommen hätte. Drei Gnus standen da vorne. Zwei rechts, das linke Stück war ein alter, passender Bulle. Als ich ihn im Zielfernrohr hatte, äugten alle drei zu uns. Das wird nicht klappen, dachte ich mir. Mein Bulle stand leicht spitz von vorne. Ich dachte nicht einmal darüber nach so zu schießen. Scheibenbreit musste er stehen und so lange, dass ich auf diese Entfernung absolut sicher schießen könnte. „Nie im Leben wird das gehen, wenn die uns jetzt schon längst mitgekriegt haben“. Dennoch blieb ich natürlich drauf.

Seht selbst:

Der Bulle machte überhaupt keine Anstalten, sich breit zu stellen. Nach einiger Zeit, wurde ihm das alles wohl auch zu komisch und er drehte sich komplett um, sodass ich ihn nur noch von hinten sehen konnte. „Okay, das war´s jetzt wirklich“, dachte ich mir. „Gleich gehen sie alle ab“. Und wie sie das taten… Aber ein Schuss war vorher raus.

Nachdem er mir den Allerwertesten zugedreht hatte, drehte er sich abrupt einmal komplett breit. Ich war absolut sicher und nachdem ich die Semprio längst gestochen hatte, flog die Kugel exakt dann aus dem Lauf als ich ein perfektes Gefühl hatte. Dank Schalldämpfer und damit wenig Rückstoß sah ich selbst den Bullen noch zeichnen. Aber was ich dann sah, raubte mir fast den Atem. Diese riesige Herde, die sich dann in Bewegung setzte, hatte ich vorher überhaupt nicht wahrgenommen. Diesen Anblick werde ich ganz sicher nie wieder vergessen.

Wie man es mir vorher gesagt hatte, lief ich nach dem Schuss sofort los, weil die Herde hinter einen Wall zog. Ich hoffte noch einen zweiten Schuss antragen zu können, falls der erste nicht ausreichend gewesen sein sollte.

Dieser Moment als die ganze Herde in unsere Richtung preschte, war wirklich unglaublich. Als sie uns dann wahrgenommen hatten, drehten sie wieder ab und wir waren alle sicher, dass das beschossene Stück nicht mehr dabei war.

Ich entspannte also meine Waffe und ließ den Schuss nochmal Revue passieren. Doch, es müsste alles gepasst haben, sagte ich mir und meinen Jagdfreud, der sich erkundigte wie ich abgekommen sei und wo ich bei der Entfernung hingehalten habe. Während sich in mein sicheres Gefühl dann doch schnell die Sorge schlich, weil Gnus ja so schusshart seien, vernahm ich Johny etwa 15 Meter vor  mir, der sich umdrehte und lachend mit offenen Armen auf mich zukam! Der Bulle scheint tatsächlich da hinten zu liegen. Welche Erleichterung!!!

Ich konnte es kaum glauben als ich beim Stück ankam. Hatte ich es also wirklich geschafft, ein Black Wildebeest zu erlegen. Ohne dass eine Nachsuche erforderlich geworden wäre. Der Schuss passte auch so wie ich mir das ausgedacht hatte.

Erleichterung, Stolz und Freude in maximaler Ausprägung. Großartig. Ich glaube, auf den Bildern kann man dies erkennen wie sonst auf kaum einem Bild von mir. Wir waren bestimmt über eine Stunde beim Stück bevor wir es bargen und zurück auf die Farm fuhren. Fotografieren, versorgen und einfach dieses unbeschreibliche Glück genießen.

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Für den interessierten Leser auch hier noch ein paar Zahlen, Daten, Fakten:

http://www.otjere.com

Ein Trophäenpaket kostet 2800 Euro. Darin enthalten sind alle Abschüsse (zwei Oryxantilopen, ein Zebra, ein Warzenschweinkeiler, eine rote Kuhantilope und ein Streifengnu). Es ist auch möglich, dass sich zwei Jäger ein Paket teilen.  Im Paket enthalten ist auch die Abholung und das Hinbringen von und zum Flughafen, ein Doppelzimmer, die komplette Verpflegung (inklusive aller Getränke). Außerdem ist bei der Buchung eines Pakets eine Begleitperson inklusive (beide Personen teilen sich dann ein Doppelzimmer aber Transfer, Verpflegung, Unterkunft ist für die Begleitperson kostenlos).

Ein Selektionspaket kostet ebenfalls 2800 Euro. Darin enthalten sind dieselben Möglichkeiten und Leistungen wie oben beschrieben, aber neun Abschüsse von Selektionswild (fünf Oryx, zwei rote Kuhantilopen, eine Elandantilope und ein Warzenschwein)

Abgesehen von den Paketen kann auch zusätzlich zum Paket oder ohne Paket ganz einfach nach Preisliste gejagt werden. Diese Liste steht natürlich auch auf der Homepage von Otjere Wildlife Safaris (www.otjere.com)

Wer Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden. Wer sogar ebenfalls 6 Tage in den Himmel und buchen möchte, kann mir ebenfalls gerne Bescheid geben. Es ist dann möglich, einen Nachlass von 100 Euro zu bekommen, wenn ihr mir eine E-Mail schreibt und bei der Buchung das Codewort „TriggerDiary“ angebt.

Hinweis: dieser Beitrag ist unterstützt durch Produktplatzierung und beinhaltet Werbung


2 Gedanken zu “Black Wildebeest

  1. Hallo Crine,
    deine Berichte sind wirklich super !

    In nächsten Jahr werde ich bei einem Freund in Namibia jagen.

    Freu mich schon drauf !

    Danke auch für die tollen Fotos.

    Dir weiterhin Waidmannsheil

    Gruß Michael

    1. Danke für das schöne Feedback!
      Ich wünsche dir eine ganz tolle Zeit nächstes Jahr in Namibia und natürlich Waidmannsheil!

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