Kransy Bor – Teil 2: die Jagd auf den Elch

Nachdem ich in Teil 1 über die ersten Tage in Krasny Bor und die Erlegung meines Rothirsches berichtet habe, möchte ich in diesem Teil meine Elchjagd festhalten.

Am dritten Jagdtag stand das Gewicht des Rothirsches fest und es sollte nun noch auf einen Elch gehen.

Die Fahrtzeit in „unseren“ Revierteil, welcher über 50 Kilometer weit von der Unterkunft entfernt war, vertrieb ich mir mit „Black“, dem Jagdhund des Pirschführers. Es wurde gekuschelt und so manches mal habe ich auf der Rückfahrt meinen Kopf auf ihn gelegt und geschlafen wie ein Baby.

Wir pirschten durch sumpfige Gebiete, stets begleitet von Hunderten von Hirschläusen und Mücken.

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Beeindruckende Elchfährten zeigten die Präsenz derselben an vielen Stellen an. In Anblick bekam ich jedoch leider bis zum letzten Abend keinen. Dann aber ging es rund! Es war deutlich spürbar wie sehr sich die Jagdführer bemühten, mich am letzten Tag noch an einen Elch zu führen. Sie überlegten und diskutierten (auch wenn ich kein Wort verstand) über die besten Plätze und Strategien. Wenn wir einen Elchbullen im Bestand vermuteten, gaben sie den Lockruf zum Besten (über den ich mich übrigens halb zu Tode erschrocken habe, als der Jagdführer diesen das erste Mal und ohne Ankündigung von sich gab…). Darüber muss ich jetzt noch schmunzeln.

 

 

Einige Elche hatten wir vor, jedoch immer Kühe und Kälber, nie war ein passender Bulle dabei. Wir beschlossen daher, an eine andere Stelle zu gehen. Dort pirschten wir an einer Wiese entlang. Plötzlich erblickte ich hinter einem Busch einen Elchbullen. Er stand gerade mal etwa 50 Meter von uns entfernt. Der Blick durch das Fernglas ließ keinen Zweifel aufkommen: ein passender Elchbulle. Sofort wurde mir der Stock aufgestellt, ich legte an. Der Bulle zog jedoch weiter von links nach rechts über die Fläche. Der Pirschführer hatte genau im Blick, als ich mit dem Fadenkreuz auf dem Blatt des breit ziehenden Bullen war. Gerade als ich dachte, er müsste nun stehen bleiben, gab der Jagdführer einen Laut von sich, der Bulle verhoffte und die Kugel flog. Der gewaltige Kugelschlag bestätigte den Treffer. Dennoch drehte der Elch um und flüchtete von rechts nach links über die Wiese. Nachdem der Jagdführer sagte: „shoot again“ gelang es mir, einen weiteren Schuss auf das Blatt abzugeben, worauf er zusammensackte. Trotz zwei Treffern in die Kammer ging er noch etwa 200 Meter, sodass wir ihn zunächst etwas suchen mussten. Dennoch war ich heilfroh, dass der Elch dort lag und ich keine große Nachsuche verursacht hatte. Übrigens: Hunde für eine eventuell notwenige Nachsuche waren bei allen Jägerteams stets dabei. So hätte also jederzeit ein Hund zum Einsatz kommen können.

Nachdem der Elch den letzten Bissen und ich den Erlegerbruch bekommen hatte, wurden ein paar Fotos gemacht, auch wenn es inzwischen schon recht dunkel geworden war.

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Danach musste alles etwas zügiger gehen. Auch wenn ich kein Wort verstanden habe, so habe ich gemerkt, wie viel nun zu organisieren war. Denn der Jagdführer wollte unbedingt, dass ich am nächsten Morgen die abgekochte Trophäe bereits mit nach Deutschland nehmen kann.

Tatsächlich wurde ich um 0500 morgens zur Rezeption gebeten, wo die fertig abgekochte Trophäe auf mich wartete. Sie wurde gewogen (etwa 7 kg) und danach sofort weggebracht, um für den Transport verpackt zu werden. Ich finde es unglaublich, wie die Leute vor Ort sich Mühe geben. Denn tatsächlich kamen wir später am Flughafen an und alle Trophäen – mein Elch inklusive – waren auch da. Vor Ort war wieder die liebenswürdige Dame, die uns bei der Ankunft bereits in Empfang genommen hatte. Sie erklärte uns, sie sei in etwa zehn Minuten zurück. In dieser Zeit erledigte sie alle Formalitäten mit Zoll und Veterinäramt und dem Check-In der Trophäen als Sperrgepäcks etc. Ohne sie wären wir sicher aufgeschmissen gewesen, da auch am Flughafen kein Weißrusse zu finden ist, der Englisch spricht. Als ich zuhause dann die Trophäen ausgepackt habe, war ich beeindruckt davon, wie diese verpackt waren: Hier waren Profis am Werk. So sind also auch die Trophäen vollkommen unversehrt in Deutschland angekommen.

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Abgesehen von der Professionalität in der Organisation der Abläufe, entstand bei uns jedoch auch der Eindruck, dass diese Menschen ihre Arbeit „mit Herz“ machen. Diese Herzlichkeit begegnete uns allen jeden Tag ständig. Egal mit wem wir es gerade zu tun hatten. So bekamen wir morgens um 0500 Kaffee und Sandwiches, um diese zur Jagd mitzunehmen, dreckige Kleidung war zwei Stunden nachdem sie abgegeben worden war, frisch gewaschen und gebügelt wieder im Zimmer. Die Zimmer wurden täglich zwei Mal aufgeräumt und alles liebevoll geordnet. Es gab keine Tür, die einem nicht aufgehalten worden wäre und ich musste regelrecht darauf bestehen, wenn ich etwas (z.B. den Jagdrucksack oder die Waffe) selbst tragen wollte. Auch die Bedienungen im Restaurant waren aufmerksam und sehr freundlich und auch die Menschen, welche uns zur Jagd begleiteten, waren großartig. Hierzu noch ein Beispiel: Eines Morgens bemerkte ich, dass ich ein Objektiv, welches man am Handy montieren kann, um Videos von Wild in weiterer Entfernung zu machen, offenbar verloren hatte. Ich hatte aber keine Ahnung wo. Nach der nächsten Jagd streckte mir der Jagdführer das Teil entgegen, worauf ich mich zunächst freute, weil ich glaubte, er hätte es gefunden. Dann erklärte er mir mit Händen und Füssen, dass sein Hund „Black“, den ich längst ins Herz geschlossen hatte, das Objektiv zerkaut und damit kaputt gemacht hatte. Er entschuldigte sich mit Gestik und Mimik und wollte das Teil reparieren und erkundigte sich ob es denn teuer gewesen sei (was es zum Glück nicht war). Ich bin sicher, ein nicht unerheblicher Prozentsatz an Menschen hätte das Objektiv einfach verschwinden lassen. Ich habe ja nicht einmal gewusst, dass ich es im Auto hatte liegen lassen. Aber diese Menschen, die ich da kennengelernt habe, waren ehrlich, respektvoll und wünschten uns von Herzen Jagderfolg, für den sie ganz offensichtlich alles in ihrer Macht stehende taten. Darum tut es mir umso mehr leid, dass ich lediglich durch Gesten, Mimik, Zeichen, Trinkgeld und kleinen Gastgeschenken meine Dankbarkeit ausdrücken konnte. Ich möchte unbedingt wieder nach Krasny Bor reisen. Aber ich denke, ich muss auch dringend ein paar Brocken Russisch lernen.

Hinweis: dieser Beitrag beinhaltet Produktplatzierung


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