Krasny Bor – Teil 1: die Jagd auf den Rothirsch

Während ich diese Zeilen verfasse, stehe ich noch immer unter dem Eindruck wirklich einmaliger Erlebnisse.

Ich war selten so froh darüber, dass ich mich von jemandem zu etwas habe überreden lassen. Mein Jagdfreund wollte unbedingt nach Belarus zur Hirschbrunft, wo er seinen Lebenshirsch erlegen wollte. Und ich sollte mit. Zwar habe ich meinen Jagdschein noch nicht sehr lange, aber ich bin jederzeit offen dafür, die Welt zu entdecken und neue Erfahrungen zu machen. Also buchte ich mit, meine Kreuze im Anmeldeformular setzte ich bei Hirsch und Elch.

Bereits im Vorfeld der Reise merkte ich, dass ich es mit dem Jagdreiseveranstalter mit Profis zu tun hatte. Sämtliche Formalitäten liefen reibungslos ab. Alles was ich nicht unbedingt selbst erledigen musste, wurde mir abgenommen. Ob es um die Beantragung des Visums für Weißrussland ging oder um den Transport von Sondergepäck. Auch die Information, dass ich im Falle der Erlegung eines Hirsches, diesen präparieren lassen möchte, lag den Verantwortlichen in Krasny Bor bei meiner Anreise längst vor. Der Tipp am Rande, ich solle unbedingt Gummistiefel und Mückenspray mitnehmen, bestätigte sich ebenfalls bei den ersten Pirschschritten als äußerst wertvoll.

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Obwohl wir alle ein Visum für Weißrussland im Pass hatten, musste bei der Einreise noch ein Formular ausgefüllt werden, um die Passkontrolle zu passieren. Aber sobald dies geschehen war und wir unser Gepäck vom Band geholt hatten, brauchten wir uns um überhaupt nichts mehr zu kümmern. Denn eine warmherzige, freundliche Dame nahm uns in englischer Sprache in Empfang und begleitete uns nach angenehmer Unterhaltung über die Jagd in Krasny Bor zum Fahrzeug, welches uns zur Unterkunft mitten im Revier bringen sollte. Wir staunten alle nicht schlecht, welches Luxusgefährt uns erwartete.

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Im Innenraum gab es nicht nur Platz ohne Ende, nein sogar mehrere Bildschirme waren vorhanden, welche einen Film über die Entwicklung des Reviers Krasny Bor zeigten und uns damit die dreistündige Fahrt verkürzte. Dies machte noch mehr Lust auf die Jagd, die uns bevorstand.

Schon die Einfahrt zur Unterkunft war beeindruckend. Es war bereits ein Vorgeschmack darauf, wie wir wohnen sollten.

Die deutschsprechende und in traditionellem Outfit gekleidete Olga und der freundliche Rezeptionist empfingen uns mit russischen alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, sowie leckeren Fleischhäppchen.

Jeder Jäger konnte nun seine Wünsche hinsichtlich zu erlegendem Wild kundtun. Ich erklärte, mir sei das Gewicht der Trophäe nicht sonderlich wichtig. Ich wolle eine spannende Jagd auf einen Rothirsch erleben und lieber pirschen statt ansitzen.

Da ich im Umgang mit anderen Waffen außer meiner Eigenen recht unerfahren bin, habe ich mich dann ziemlich erschrocken, als mir der Jäger dann zur Jagd eine Büchse in Kaliber .300 Wincester Magnum geben wollte. Nach einigem Hin und Her, konnte ich ihn dann aber davon überzeugen, dass es sinniger wäre, diese einem erfahrenen, männlichen Jäger zuzuteilen und mir eine R93 von Blaser in Kaliber 30.06 zu geben. Am nächsten Tag konnten wir unsere Waffen auf dem Schiesstand, der sich direkt an der Unterkunft befand, probeschiessen. Ein Stand übrigens vom Feinsten mit Übertragung der Schiessergebnisse direkt auf den Monitor und der Möglichkeit auf unterschiedliche Entfernungen zu schießen.

Nachdem wir die Zimmer – übrigens wirklich top – bezogen hatten, trafen wir uns im Restaurant, wo es jeden Abend ein Menu mit drei Gängen gab. Zwischen Vorspeise und Dessert gab es eine Auswahl jeweils eines Fleisch- und eines Fischgerichtes. So kam man allabendlich in  den Genuss feinster Spezialitäten wie beispielweise Hirsch, Elch, Fasan, Ente, Zander, Hecht und vielen mehr. Das riesige Eisbein vom Hirsch schaffte allerdings aufgrund der Menge kein Einziger von uns.

Treffpunkt zur ersten Jagd war um fünf Uhr morgens an der Rezeption. Jeweils zwei Jagdführer wurden einem Jäger zugeteilt. Das Einsteigen in das Revierfahrzeug sorgte dann für das authentische „Belarusfeeling“. Es sollte sich später aber noch zeigen, dass diese Fahrzeuge nicht nur nostalgische Gefühle hervorrufen, sondern auch richtig etwas leisten können. Die Wagen kämpften sich durch Gebiete, von denen ich nie geglaubt hätte, dass sie passierbar wären.

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Die Fahrt in den anvisierten Revierteil demonstrierte die unglaubliche Weite. 130 000 ha Fläche, davon 1200 ha Wildwiesen stehen zur Bejagung von Rotwild und Elch zur Verfügung. Dimensionen, die unsere Vorstellungskraft sprengen. Eine Diversität von Landschaften, die wir so nicht kennen. Wälder, die wie Urwälder anmuten, riesige Freiflächen soweit das Auge reicht und noch weiter. Sümpfe und Moore, wo auch die Mücken und Hirschläuse ihren Wirkungskreis hatten… Dort hätte ich beinahe beschlossen, mir eine Kurzhaarfrisur zuzulegen, da sich die Läuse immer in meinen Haaren verfingen. Sie blieben bei mir. Auch auch über diverse Haarwäschen hinaus.

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Leider war die Hirschbrunft aufgrund des Wetters noch nicht in vollem Gange, nur vereinzelt waren Hirsche zu hören. Dennoch hatte ich Anblick von Marderhund, Rehen, Damwild und Kahlwild.

Am Nachmittag des ersten Jagdtages wurden wir zu einer Revierrundfahrt eingeladen. Hier ein paar Eindrücke davon:

Wir waren dann auch in einem Gatter, in welchem wir aber nicht jagten. Dort hatten wir aber unglaublich viel Anblick:

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Am zweiten Morgen, also der dritten Jagd hatten wir zunächst wieder keinen Abnlick. Bis wir dann – eigentlich schon auf der Rückfahrt – ein wirklich aufregendes Jagderlebnis hatten: Wir entdeckten auf einer riesigen Freifläche ein Rudel Kahlwild mit drei Hirschen, ein ganz junger, ein mittelalter und einer, bei dem wir auf die Distanz von etwa 400 Meter mutmaßten, dass er alt genug sein könnte. Also pirschten wir uns an. Zunächst durch einen Bestand und dann auf dem Boden robbend über die Wiese bis zu einem Strohballen. Nun waren wir aber immer noch etwa 250 Meter vom besagten Hirsch entfernt und ich vermochte nicht einzuschätzen, ob er das passende Alter hatte. Wir befürchteten, dass uns das Kahlwild mitbekommen würde, wenn wir uns weiter über die freie Fläche heranrobben würden. Aber nichts anderes blieb uns übrig und wir schafften es tatsächlich bis zu einem Graben, der uns Deckung verschaffte. Nah genug, um den Hirsch anzusprechen, entschied ich mich gegen die Erlegung. Ich war sicher, dass die Trophäe über 10 kg schwer war, mein Jagdführer schätzte ihn ebenfalls auf etwa 12 kg. Aber er schien noch nicht sonderlich alt zu sein. Für mich nicht alt genug und da noch einige Jagden bevorstanden, zogen wir uns wieder zurück.

Zurück beim Frühstück, bei dem aus einer großen Karte je nach Gelüsten ausgewählt werden konnte, erzählten wir uns nach der Jagd von dem Erlebten. Mein Jagdfreund hatte bereits einen Elch und einen Hirsch erlegt und war begeistert von den Jagderlebnissen.

Leider war es sehr schwierig, sich mit den Jagdführern zu verständigen. Deutsche Begriffe, die benutzt wurden waren „Hirsch“ und „Hirschmama“. Englisch sah es leider auch nicht besser aus. Abgesehen davon, dass es dadurch schwierig war, das Ansprechen des Wildes zu kommunizieren, fand ich es auch sehr schade mit ihnen nicht reden zu können, da beide wirklich unheimlich nett und lustig waren. Zu meinem Glück war jedoch ein österreichischer Berufsjäger vor Ort, der mit mir und den beiden Jägern mitgefahren ist, um uns zu unterstützen. Mit diesem konnte ich das Ansprechen der Hirsche und auch jagdliche Strategien besprechen.

Da es während der ersten drei Jagden sehr windig war und wir befürchteten, das Wild bei der Pirsch nur zu vertreten, beschlossen wir, abends auf eine Kanzel zu gehen. Dank der deutschsprechenden Olga konnten wir dies mit den Jägern kommunizieren.

Bei diesem Entschluss war mir allerdings noch nicht klar, dass ich eine Kanzel betreten würde, die Seinesgleichen sucht. Aus meiner Sicht war das keine Kanzel mehr, darin könnte man wohnen. Nicht nur die atemberaubende Höhe der Einrichtung, auch die Innenausstattung war absolut luxuriös. Bürosessel vom Feinsten und Teppichböden, die frisch gesaugt aussahen. Hier konnte man es wohl aushalten.

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Darin genossen wir dann auch den Anblick von zwei jungen Hirschen und Kahlwild bis der Anruf vom anderen Jäger, der an einen anderen Platz gefahren war, kam. Er habe Hirsche vor, wir sollten sofort kommen. Wir baumten also ab und eilten zum Auto. Als wir die Stelle erreichten, sahen wir auf einer großen Freifläche ein Rudel Kahlwild von einer Größe von mindestens 100 Stück. Dabei standen drei Hirsche, die – nun doch endlich in der Brunft – röhrten, dass es mir durch Mark und Bein ging.

Schnell war klar, dass zwei Hirsche passen könnten. Wir pirschten uns zu viert durch den an die Freifläche angrenzenden Wald weiter an. Dabei schlug mir ein Ast gegen das Auge, aber zum Glück war es das linke. Wir eilten geduckt weiter über das Feld, in der Deckung eines Grabens. Dann hatten wir gute Sicht auf einen der beiden Hirsche. Ich war mir beim Blick durch das Fernglas aber sicher, dass der andere Hirsch weiter vorne „meiner“ sei. Also schlichen wir uns weiter an und plötzlich meldete er ganz nah bei uns. Er war gerade noch 65 Meter entfernt. Der österreichische Berufsjäger meinte beim Blick durchs Fernglas, er sei alt genug. Ich schaute ebenfalls durchs Fernglas und mir blieb beinahe der Atem stehen. „Das ist er!“ schoss mir durch den Kopf. „Alt genug, dunkle, dicke Stangen, jetzt oder nie“. Er äugte bereits in unsere Richtung aber der Wind passte. Der Zielstock war plötzlich aufgestellt, ich könnte nicht einmal mehr sagen, wer ihn aufgestellt hat. Ich legte an, atmete noch einmal durch, während ich dachte, dass der Schuss sitzen muss. Alles passte und die Kugel schoss aus dem Lauf. Der Hirsch brach sofort zusammen. Ich stand da. Immer noch im Anschlag. Als klar war, dass kein weiterer Schuss notwendig sein würde, bemerkte ich wie mein rechtes Bein schlotterte. Der Pirschführer sah das und lachte laut und befreit auf. Was waren wir alle glücklich und froh, dass alles so gut geklappt hatte.

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Wir gingen zum Stück und ich dankte in Gedanken für dieses Erlebnis und diesen – für mich perfekten – Hirsch. Vom Pirschführer bekam er den letzten Bissen und ich den Erlegerbruch. Nach russischer Tradition wurde mir darüber hinaus mit dem Schweiß des Hirsches ein Kreuz auf die Stirn gemalt. Nachdem wir beim letzten Kameralicht noch einige Fotos machen konnten, brachen wir alle zusammen den Hirsch auf. Ich bin sicher, dass das von den Jagdgästen nicht erwartet wird. Ich war aber sehr glücklich, dass wir hier mithelfen durften. Danach verbrachten wir den Hirsch mit vereinten Kräften in das Fahrzeug und fuhren – alle noch über das Erlebte plaudernd – nach Hause zurück.

Im Restaurant erwarteten mich die anderen bereits, die Neuigkeit hatte sich schon herumgesprochen. Kaum hatte ich Platz genommen, erschien auf meinem Display ein „WAIDMANNSHEIL“ von Herrn Eberitzsch, die Buschtrommeln hatten gearbeitet. Selbstverständlich wurde der Hirsch mit Vodka tot getrunken, ich hatte längst beschlossen, am nächsten Morgen nicht zur Jagd zu gehen, sondern dieses Jagderlebnis ausgiebig zu genießen.

Um 0900 morgens war der Hirsch bereits zur Strecke gelegt worden. Wir gingen also nach dem Frühstück alle gemeinsam zum Streckenplatz, wo sich schon etwa 15 ortsansässige Jäger eingefunden hatten. Als wir näher kamen und ich „meinen“ Hirsch sah, kullerten mir tatsächlich einige Freudentränen herunter. So zog ich also vorerst mein Cappy etwas tiefer ins Gesicht. Dennoch blieb meine Rührung nicht verborgen, was sicher bei einem solchen Hirsch auch in Ordnung ist. Auch die weißrussischen Jäger lachten und freuten sich mit mir über meinen Jagderfolg.

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Bei bestem Licht wurden also noch viele Fotos vom Hirsch gemacht, bevor er zurückgebracht wurde.

Vom Pirschführer bekam ich dann auch noch die Grandeln übergeben. Meine ersten Grandeln… ein ganz besonderer Moment!

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Am nächsten Tag war die Trophäe bereits abgekocht und wurde gewogen. 7,71 kg wurden abgerechnet.

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Somit sollte es die verbleibende Zeit auf einen Elch gehen. Über dieses Erlebnis schreibe ich in Teil 2 von Krasny Bor…

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