Der Nebelhirsch

Es ist schon eine ganze Weile her aber ich kann mich noch an diesen magischen Moment erinnern, den ich hier beschreiben will.

Es war Mai 2017 und ich durfte in einem Waldrevier waidwerken. Ich hatte männliches Rehwild frei und hatte natürlich auf einen „Maibock“ gehofft. Nur leider spielte das Wetter so gar nicht mit. Dauerregen und Nebelschwaden beinahe ohne Unterbrechung. Da ich ja aber eine Anfahrt von etwa vier Stunden hatte, beschloss ich beharrlich mein Glück zu versuchen. Ich sass auf den Hochsitzen und pirschte durch den Wald, was recht gut möglich war, da der Boden ja nass war und ein leises Vorwärtskommen daher gut ging.

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Eines Morgens entschloss ich mich nach dem Frühansitz erneut zur Pirsch. Dichte Nebelschwaden hingen wie ein Vorhang in der Luft. Durch meine Wärmebildkamera konnte ich aber dennoch Wild ausmachen, lange bevor ich selbst entdeckt wurde und lange bevor ich es mit blossem Auge hätte erkennen können.

Nach einer Weile entdeckte ich eine Plätzstelle und folgte dem Wechsel.

Plötzlich erkannte ich durch die Wärmebildkamera ein Stück Wild. Aufgrund der schlechten Sicht war das Bild unscharf und ich vermutete Rehwild.

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Mein Puls stieg, denn ich hoffte, dass es sich hier um einen Bock handelte. Plätzstelle ganz in der Nähe, dem Wechsel gefolgt und nun vermutlich ein Reh. Ich pirschte mich näher ran, aber der Nebel war so dicht, dass ich – selbst als ich vermutlich auf etwa 20 Meter an dem Stück dran war – mit blossem Auge immer noch nichts erkennen konnte. Beim Blick durch die Wärmebildkamera erhärtete sich der Eindruck immer mehr, dass es sich um ein männliches Stück Rehwild handelte, ich konnte jedenfalls sehen, dass das Stück nicht ausschliesslich Lauscher auf dem Haupt trug. Ich meinte, Spiesse erkennen zu können. Ausserdem musste ich ja wirklich nah dran sein, so groß wie es in der Wärmebildkamera erschien. So entschied ich mich, schon mal den Schiessstock aufzubauen und abzuwarten in der Hoffnung, der Nebel würde sich etwas auflockern.

Ich verharrte sicherlich 20 Minuten mucksmäuschenstill im Anschlag ohne irgendetwas zu sehen. Der Blick durch das Zielfernrohr und die Wärmebild wechselten sich ständig ab. Ich war zum Zerbersten gespannt…

Und plötzlich löste sich der Nebel auf! Ich kann nicht sagen wer den jeweils Anderen erstaunter angeguckt hat: ich oder der auf etwa 15 Meter stehende Rotspiesser!

Leider hatten die Rotspiesser in Thüringen noch keine Jagdzeit. Aber dieser Moment war so beeindruckend. Wirklich magisch… So war es auch ohne Erlegung ein tolles Erlebnis. Leider gibt es hiervon kein Foto, es gibt nur eines in meinem Kopf. Aber das wird mir sicher lange erhalten bleiben.


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