Jetzt erst recht! Nochmal Tag 1

Unter „why trigger diary“ habe ich geschrieben, es gebe Momente, in denen einem klar werde, dass man etwas ändern müsse. Nun, seit heute ist mir klar, dass ich genauso weiter machen muss, will und werde.

In der Geschichte „der Bock für meine Freunde“ habe ich zu Beginn erzählt, wie die Hautärztin Alarm schlug und wie es mir danach ging. Seither sind dreieinhalb Wochen vergangen. 25 Tage um genau zu sein. 25 Tage an denen ich nicht wusste, ob das neue Leben schon bald wieder vorbei sein sollte.

Nachdem ich mir eine zweite und eine dritte ärztliche Meinung eingeholt hatte und alle derselben Ansicht waren, wurde die Biopsie entnommen. Nach vier Tagen erwartete ich die Entwarnung. Ich saß im Auto, wollte gerade nach der Revierfahrt den Wagen reinigen fahren, als die Ärztin meines Vertrauen anrief und mich bat, rechts ran zu fahren. Leider könne man nach der Biopsie keinen negativen Befund feststellen, es könne also tatsächlich eine tumorartige Veränderung sein. Es seien weitere Untersuchungen notwendig, ich müsse mich weitere vier bis fünf Tage gedulden. Gleichzeitig klärte sie mich darüber auf, was im schlechten Falle erfolgen solle: Uniklinik und mittels radioaktiver Substanzen abklären, wie sich die Situation an den Lymphknoten darstelle etc. pp.

Einige Tage später dann der Anruf, man könne nach der Antikörperbestimmung leider noch immer nicht ausschließen, dass es sich um eine bösartige Veränderung handele, das Muttermal müsse jetzt dringend raus. Ich beschloss dennoch, den Termin auf den Montag nach dem Wochenende zu legen, über welches ich unter „Die, die immer strahlt“ berichtet habe. Ich wollte es einfach erleben. Bevor möglicherweise eine dunkle Zeit anbricht.

Danach wurde das Muttermal entfernt. Wenn ich Glück hätte würde ich nach drei Tagen das Ergebnis der Untersuchung des ganzen Muttermals erfahren. Ich musste fünf Tage warten. In dieser Zeit habe ich alles getan, um nicht nachzudenken. Alle schönen Erlebnisse und Geschichten wollte ich noch niederschreiben aus Sorge, dass ich nach der Mitteilung über das Ergebnis und das folgende Prozedere hierfür nicht mehr in der richtigen Stimmung wäre. Ich dachte in der Uniklinik schreibt es sich so schlecht über tolle Momente.

Um ehrlich zu sein: Ich habe eigentlich nie sonderlich an meinem Leben gehangen. Ich denke, ich habe vieles getan, was nicht unbedingt wertschätzend meinem Leben oder meiner körperlichen Unversehrtheit gegenüber war. Ob es nun der hektische Lifestyle, ungesunde Ernährung oder Risikosportarten wie Bunge Jumping oder Fallschirmspringen war. Ich habe mich nicht sehr darum geschert, wie lange ich leben würde.

Nun hat sich das Blatt einmal komplett gewendet. Seit einiger Zeit bin ich in meiner Balance, ich liebe das Leben und feiere es, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bietet. Und nun: sollte es das nach einigen Wochen schon gewesen sein?

In den letzten Wochen beschlich mich ab und an ein schlechtes Gewissen, weil ich es mir so sehr gut gehen lasse. Heute denke ich: Jetzt erst recht. Noch viel mehr und alles was geht. Gerne sofort. Man lebt bekanntlich nur einmal aber vor allem: niemand weiss wie lange. Ich habe noch so viel vor und ich bin so froh, dass ich weiterhin die Chance habe, dies zu leben.

Als die Ärztin heute Morgen das Behandlungszimmer betrat, sagte sie: „it´s time to drink champagne“ und nahm mich in den Arm (wir kennen uns auch privat). Da merkte ich, dass ich diesen Alptraum nicht nur geträumt hatte, auch sie war offensichtlich sehr erleichtert.

Ich verließ die Praxis und steuerte auf direktem Wege den Outdoorladen an. Ich kaufte Campingutensilien und fuhr nach Hause, um Zelt und Sonstiges, was einem in der Natur hilft, einzupacken. Ich will nur noch eins: Raus und leben. Auf ins Revier an den See. Den Vögeln zuhören und unter dem Sternenhimmel schlafen. Und danke sagen.

 


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